Warum immer mehr Millionäre auswandern und welche Länder gewinnen
Noch nie haben so viele Millionäre und Gutverdiener ihr Heimatland verlassen wie im vergangenen Jahr, und 2026 wird diesen Rekord voraussichtlich erneut übertreffen. Ein Land zieht dabei seit Jahren die meisten von ihnen an. Dieser Beitrag zeigt die aktuellen Zahlen, die Gründe hinter dem Exodus und die Frage, die bei aller Euphorie nicht vergessen werden darf: Wann ist ein Wegzug auch steuerlich ein Wegzug?
Der Exodus der Gutverdiener.
Die Vermögensberatung Henley & Partners erfasst jedes Jahr, wie viele Personen mit einem liquiden Vermögen von mindestens einer Million US-Dollar ihren Wohnsitz in ein anderes Land verlegen. Für 2025 weist der Bericht rund 142.000 solcher Umzüge aus, mehr als je zuvor, und für 2026 werden etwa 165.000 erwartet. Der Trend ist damit kein Ausreißer, sondern eine Entwicklung, die sich seit Jahren beschleunigt.
Die Gründe sind für jeden, der mit Unternehmern spricht, nicht überraschend: zu viel Bürokratie, Fachkräftemangel, wachsende Sorgen um die Sicherheit, eine Steuerlast, die als unverhältnismäßig empfunden wird, und die Angst vor politischen Spannungen. Millionäre und Gutverdiener suchen schlicht nach Wegen, ihr Vermögen zu sichern und einem Steuersystem zu entkommen, das sie als feindlich erleben. Auffällig ist dabei, dass die Abwanderung längst nicht mehr nur aus Schwellenländern kommt. Großbritannien war 2025 mit einem erwarteten Nettoabfluss von 16.500 Millionären das Land mit den größten Verlusten, und auch in Kontinentaleuropa steigen die Zahlen.
Dubai: der klare Favorit.
Seit mehreren Jahren in Folge haben die wohlhabenden Auswanderer einen eindeutigen Favoriten: die Vereinigten Arabischen Emirate, und dort vor allem Dubai. Für 2025 rechnete Henley & Partners mit rund 9.800 zuziehenden Millionären in den Emiraten, mehr als in jedem anderen Land der Welt, und auch für 2026 führen die Emirate die Prognose an.
Die Gründe liegen auf der Hand. In Dubai und den Emiraten gibt es keine Einkommensteuer, keine Kapitalertragsteuer, keine Erbschaftsteuer und keine Vermögensteuer. Die Körperschaftsteuer für Unternehmer beträgt neun Prozent, mit einem Freibetrag von 375.000 Dirham und dem Small Business Relief für Gesellschaften bis drei Millionen Dirham Umsatz, und ist damit überschaubar. Dazu kommen eine Infrastruktur, die in Europa ihresgleichen sucht, eine Lage zwischen Europa und Asien, ein Visasystem, das Investoren, Unternehmern und Fachkräften den Zuzug erleichtert, und ein Maß an Sicherheit, das in den internationalen Rankings regelmäßig an der Spitze steht. Einen vollständigen Überblick über das Steuersystem finden Sie in unserem Beitrag Steuern in Dubai 2026.
Die sichersten Städte der Welt
Im Sicherheitsindex des Vergleichsportals Numbeo, der auf den Angaben der Bewohner beruht, belegen seit Jahren Städte aus den Emiraten und der Golfregion die vorderen Plätze. Zu den sieben sichersten Städten weltweit zählen danach Abu Dhabi, Ajman, Doha, Dubai, Taipeh, Ras al-Khaimah und Maskat, und vier davon liegen in den Emiraten.
Wohin die anderen gehen.
Natürlich ziehen nicht alle wohlhabenden Auswanderer nach Dubai. Der Bericht für 2025 zeigt ein Feld von Ländern, die aus sehr unterschiedlichen Gründen attraktiv sind.
| Zielland | Erwarteter Nettozuzug von Millionären 2025 | Was das Land anzieht |
|---|---|---|
| Vereinigte Arabische Emirate | rund 9.800 | Keine Einkommensteuer, Sicherheit, Infrastruktur, Visasystem |
| USA | rund 7.500 | Wirtschaftskraft, Kapitalmärkte, Technologie |
| Italien | rund 3.600 | Pauschalbesteuerung für Zuzügler, Lebensqualität |
| Schweiz | rund 3.000 | Stabilität, Pauschalbesteuerung in einzelnen Kantonen, Banken |
| Saudi-Arabien | rund 2.400 | Keine Einkommensteuer, wirtschaftliche Öffnung |
| Singapur | rund 1.600 | Rechtssicherheit, Finanzplatz, Territorialbesteuerung |
| Portugal, Griechenland | rund 1.400 und 1.200 | Sonderregime für Zuzügler, Klima, Lebenshaltung |
Alle diese Länder bieten neben steuerlichen Erleichterungen und hoher Lebensqualität kulturelle Vielfalt und breite Investitionsmöglichkeiten. Die Wahl des Ziellandes hängt am Ende weniger von der Steuertabelle ab als von der Frage, wo man mit seiner Familie tatsächlich leben möchte, denn ein Wegzug, der nur auf dem Papier stattfindet, hält steuerlich nicht.
Was bei aller Euphorie nicht vergessen werden darf.
Die zunehmende Abwanderung von Millionären und Gutverdienern zeigt einen klaren Trend: Vermögende suchen weltweit nach sicheren Häfen, die nicht nur steuerliche Vorteile, sondern auch Stabilität, Sicherheit und Lebensqualität bieten. Dubai und die Emirate haben sich mit steuerlichen Anreizen, herausragender Infrastruktur und einem der sichersten Umfelder der Welt als führendes Ziel etabliert. Wer diesen Schritt geht, sollte ihn so vorbereiten, dass er auch in zehn Jahren noch trägt.
Häufige Fragen.
Wie viele Millionäre wandern jedes Jahr aus?
Nach dem Bericht von Henley & Partners haben 2025 rund 142.000 Millionäre ihren Wohnsitz in ein anderes Land verlegt, mehr als je zuvor. Für 2026 werden etwa 165.000 erwartet.
Welches Land ist das beliebteste Ziel wohlhabender Auswanderer?
Die Vereinigten Arabischen Emirate, allen voran Dubai. Für 2025 wurde ein Nettozuzug von rund 9.800 Millionären erwartet, vor den USA mit etwa 7.500 und Italien mit rund 3.600.
Warum wandern so viele Vermögende aus?
Die häufigsten Gründe sind hohe Steuern, Bürokratie, Sorgen um die Sicherheit, politische Spannungen und der Wunsch, das eigene Vermögen langfristig zu schützen. Dazu kommt die Aussicht auf mehr Lebensqualität und bessere Investitionsmöglichkeiten.
Bin ich nach dem Wegzug automatisch nicht mehr in Deutschland steuerpflichtig?
Nein. Ein Wohnsitz, der Lebensmittelpunkt, zurückgelassene Familie, GmbH-Anteile und die Wegzugsteuer entscheiden darüber, ob und wie lange Deutschland oder Österreich weiter besteuert. Ein Wegzug muss vorbereitet und dokumentiert werden, damit er steuerlich wirkt.
